Workshop im Sigmund Freud Gymnasium – Auf den Spuren von Forellen-Laichnestern

Verfasser: Wolfgang Obruca

Durch den steigenden Nutzungsdruck – vor allem durch den Ausbau der Wasserkraft – werden Fließgewässer zusehends in Mitleidenschaft gezogen. In der modernen Fließgewässerforschung wird dieser Problematik nachgegangen und nachteilige Eingriffe des Menschen auf die Lebensräume in und an Fließgewässern behandelt. Beispielsweise sind zahlreiche heimische Fischarten innerhalb weniger Jahrzehnte vielerorts aus ihren ursprünglichen Fließgewässer-Lebensräumen verschwunden, da durch den Bau von Stauwerken Hindernisse geschaffen wurden, die dort den Weg der Fische zu ihren Laichstätten flussauf unterbinden.

Auch die Kinderstuben der Forellenfische, die sog. Laichnester (im engl. Spawning redds) sind direkt von den Auswirkungen der Wasserkraftnutzung betroffen.

Diesen Themenaspekt galt es am Nachmittag des 10. Juni 2015 den SchülerInnen der siebten Klasse des Wiener Sigmund Freud Gymnasiums im Wahlpflichtfach Biologie im Rahmen eines Schulbesuchs näher zu bringen.

Wolfgang Obruca, welcher am Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und Konstruktiven Wasserbau (IWHW) der Universität für Bodenkultur seine Masterarbeit zum Thema „Sedimentologische und hydraulische Bewertung von Bachforellenlaichnestern im Einflussbereich von Kleinwasserkraftwerken“ verfasst, konnte den Schülern darlegen, inwieweit der Betrieb von Kleinwasserkraftwerken die Fortpflanzung der heimischen Bachforelle gefährden kann.

Wolfgang Obruca stellt seine Masterarbeit vor

Wolfgang Obruca stellt seine Masterarbeit im Sigmund Freud Gymnasium vor

Mithilfe von Videomaterial, Grafiken zu ausgewählten Untersuchungsergebnissen der Masterarbeit sowie angeregten Diskussionen wurden die SchülerInnen schrittweise zum Thema herangeführt.

Auf praxisnahe Art und Weise wurden zunächst Grundbegriffe zum Thema erläutert. Beispielsweise, was es eigentlich mit dem Begriff „Laichnest“ auf sich hat. Hierbei handelt es sich um einen kleinen flächigen Schotterhaufen, der vom Mutterfisch im Gewässerbett zur Laichzeit mit kräftigen Schlägen der Schwanzflosse aufgeworfen wird, um darin die verletzlichen Eier abzulegen.

Anhand von mitgebrachten Fluss-Sedimenten unterschiedlicher Korngröße konnten sich die SchülerInnen an die Frage herantasten, welche Steingrößen einem laichenden Forellenweibchen die besten Möglichkeiten zum Bau eines Laichnestes bieten. Die Mehrheit der SchülerInnen riet richtig: Steine im Korngrößenbereich zwischen zwei und vier Zentimetern sind als optimal zu bezeichnen. Darunterliegende Größen gefährden bei stärkerer Strömung die Stabilität eines Laichnestes durch Abdrift der Steine; bei zu großen Steinen hingegen reicht die Kraft des Mutterfisches nicht aus, um daraus ein schützendes Nest zu bauen.

Dass Forellen nicht an allen beliebigen Stellen in einem Fluss dem Laichgeschäft nachgehen können, hängt neben dem Vorhandensein von Stellen mit geeignetem Laichschotter auch noch von Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit ab.

Mit diesem Grundwissen ausgestattet, befassten sich die SchülerInnen im weiteren Verlauf des Nachmittags mit der Frage, inwieweit sich der Bau eines Wasserkraftwerks auf das Vorkommen und die Beschaffenheit der Laichnester in dessen Einflussbereich auswirken kann.

Besonderes Augenmerk lag dabei auf der sogenannten Versandung von Laichnestern, wie sie häufig in Stauräumen von Wasserkraftanlagen beobachtet wird. Hierbei handelt es sich um das teilweise oder vollständige Ausfüllen des Schotterlückenraumes eines Laichnests mit Sanden und noch feinkörnigerem flusseigenen Sediment, welches den Zutritt sauerstoffreichen Wassers zur unmittelbaren Umgebung der Eier unterbindet. In Folge dieser herbeigeführten Sauerstoffknappheit im Laichnest kann es zu großen Ausfällen einer Fischbrut kommen, die den Fortbestand einer Art in einem Flussabschnitt auf lange Sicht gefährden können.

Die SchülerInnen des Sigmund Freud Gymnasiums wurden im Rahmen des Workshops auf anschauliche Weise in ein hoch aktuelles Umweltthema eingeführt. Die vielen Fragen und angeregten Diskussionen zeigten uns, dass wir ein erstes Interesse an diesem Thema wecken konnten.