unter Mitarbeit von: Lukas Rauchecker, Sofia Schobasser, Michelle Schoberlechner, Bernhard Weigel

Charakteristik der Traisen

Die Traisen entspringt auf 1000m Höhe in den niederösterreichischen Kalkalpen und wird aus zwei Quellflüssen gebildet: der Unrecht-Traisen (36 km) und der Türnitz Traisen (24 km). Letztere gilt aufgrund der größeren Wasserführung als „Oberlauf“ der Traisen. Die beiden Quellflüsse fließen in Freiland zusammen (Muhar et al. 1996). Der größte Zubringer der Traisen ist die Gölsen, die am Gerichtsberg entspringt und unterhalb des Orts Traisen in die Traisen mündet. Weitere Zubringer sind der Steubach, der im Gemeindegebiet Eschenau in die Traisen mündet, sowie der Bösendorflgraben und der Kreissbach im Raum der Stadt Wilhelmsburg (Marktgemeinde Traisen 2015).
Von der Quelle bis zur Mündung nördlich von Traismauer in die Donau hat die Traisen eine ungefähre Länge von 80 Kilometern und entwässert ein Einzugsgebiet von ca. 900km² (Muhar et al. 1996).

Veränderung der Talform der Traisen im Längsverlauf

Die Talform ist ein wichtiger Charakterisierungsparameter von Fließgewässern, durch den die „Bewegungsfreiheit“ eines Fließgewässers bestimmt wird. Einflussfaktoren für die Ausbildung der Talform sind die Art der hangbildenden Gesteine, die klimatischen Verhältnisse, die Stärke und Art der Wasserführung, das Gefälle sowie die Menge und Art der vom Gewässer transportierten Sedimente. Ein wichtiger Einflussfaktor ist auch die langzeitige Entwicklungsgeschichte (Muhar et al. 1996). In Tabelle 1 werden verschiedene Talausprägungen beschrieben.

Talformen_Muhar et al. 1996_gesamt

Tabelle 1: Talformen. Quelle: Muhar et al. 1996

Die Traisen verläuft bis zum Ort Traisen in einem Sohlenkerbtal bzw. Sohlental. Ein Kerbtal hat einen V-förmigen Querschnitt und wird durch Tiefen- und Seitenerosion gebildet. Der Fluss nimmt hier die gesamte Breite der Talsohle ein (BMLFUW 2012).
Das Sohlenkerbtal ist eine Übergangsform zwischen Kerbtal und Sohlental (BMLFUW 2012). In letzterem verläuft die Traisen ab Schrambach bis Wilhelmsburg (Muhar et al. 1996). Ein Sohlental entwickelt sich aus einem Kerbtal wenn die einschneidende Wirkung des Wassers nachlässt. Durch schwächere Tiefenerosion und gleichbleibende Seitenerosion bildet sich ein kastenförmiges Tal mit einer breiten Talsohle. Der Flusslauf nimmt hier nicht mehr die gesamte Fläche des Talbodens ein (BMLFUW 2012).
Ab Wilhelmsburg bis zur Einmündung in die Donau verläuft die Traisen in einer Talebene (Muhar et al. 1996). Diese ist durch eine breite Talsohle mit minimalem Gefälle und abgeflachten Böschungen gekennzeichnet (BMLFUW 2012).

Veränderung des potentiellen morphologischen Flusstyps im Längsverlauf

Die Morphologie/Linienführung eines Fließgewässers wird durch das Zusammenwirken verschiedener abiotischer Faktoren (Geologie des Einzugsgebiets, Gefälle, Abflussregime, Feststofftransport, Substratverhältnisse) bestimmt. Grundsätzlich unterscheidet man den gestreckten, verzweigten, pendelnden, gewundenen und mäandrierenden Gewässerverlauf (BMLFUW 2012).

Eine Übersicht über die verschiedenen Erscheinungsformen eines Fließgewässers gibt Tabelle 2. Abbildung 1 zeigt den potentiellen (=historischen) morphologischen Flusstyp der Traisen.

Flusstypen_Muhar et al. 1996

Tabelle 2: Flusstypen. Quelle: Muhar et al. 1996

Traisen_pot_Flusstyp

Abbildung 1: Potentieller morphologischer Flusstyp der Traisen. Quelle: Muhar et al. 1996

Bis Schrambach entspricht die Traisen dem gestreckten bzw. pendelnden Flusstyp (Muhar et al. 1996). Der gestreckte Flusstyp ist typisch für gefällsreiche Oberläufe und durch eine geringe Breitenvariabilität bestimmt (BMLFUW 2012).
Der pendelnde Flusstyp tritt ebenfalls typischerweise im Oberlauf eines Gewässers auf. Er ist dort zu finden, wo das Gefälle für die Ausbildung eines gestreckten Abschnitts zu gering ist. Das Gewässer nutzt die gesamte Talsohlbreite aus und „pendelt“ von einer Talflanke zur anderen (BMLFUW 2012).
Von Schrambach bis zum Ort Traisen sind Talmäander ausgebildet (Muhar et al. 1996). „Mäander“ bezeichnen einen stark gewundenen Gewässerverlauf der bei niedrigem Gefälle durch Erosion der Bogenaußenseiten und Anlandung der Sedimente an der Bogeninnenseite gebildet wird. Der Talmäander ist eine Sonderform des Mäanders und entsteht durch Tiefenerosion (BMLFUW 2012).
Zwischen dem Ort Traisen und Wilhelmsburg verläuft die Traisen in einem breiteren Tal und ist dem pendelnden Typ mit lokaler Furkation (Verästelung/Verzweigung) zuzuordnen. Ab Wilhelmsburg entspricht die Traisen dem Furkationstyp (Muhar et al. 1996). Bei diesem Typ werden bei Hochwasser große Mengen an Geschiebe transportiert, die bei Nachlassen des Hochwassers im Gerinne bzw. Überschwemmungsgebiet abgelagert werden. Typisch ist die Aufspaltung des Fließgewässers in mehrere Rinnen die bei Hochwasser ihre Gestalt verändern (BMLFUW 2012).
Ab St. Georgen bis zur Mündung in die Donau verläuft die Traisen als künstlich angelegtes gerades Gerinne. Dieses wurde im Zuge der Errichtung des Donaukraftwerks Altenwörth zur Umgehung des Stauraums angelegt (Muhar et al. 1996). Dieser Abschnitt soll im Rahmen des derzeit laufenden Life+ Projekts ökologisch verbessert werden. Der neue Traisenabschnitt soll eng mit der Au in Verbindung stehen und Lebensraum für Tiere & Pflanzen bieten (Verbund 2015).

 

 

Fischregionen im Längsverlauf

Traisen_Fischregionen

Abbildung 2: Potentielle Fischregionen im Längsevrlauf der Traisen. Quelle: BMLFUW & UBA 2014

Je nach Abfluss, Gefälle und Geologie verändern sich die Strömung, die Temperatur, das Substrat und der Nährstoffgehalt. Somit entstehen unterschiedliche Lebensräume, die von gut angepassten Lebensgemeinschaften genutzt werden (LFU 2015).
Lebensräume können nach bestimmten Tier- und Pflanzenarten, den sogenannten Leitarten, charakterisiert werden. Da Fische oft sehr spezifische Umweltfaktoren benötigen, auffällig und leicht zu unterscheiden sind werden meist diese als Leitarten herangezogen (LFU 2015).
Im Flussverlauf lässt sich eine Abfolge von Lebensgemeinschaften (biozönotische Regionen) feststellen (LFU 2015). Abbildung 2 zeigt die Fischregionen im Längsverlauf der Traisen. Jede Fischregion bietet unter natürlichen Bedingungen Lebensraum für charakteristische Vertreter der Fischfauna.

Der Traisenoberlauf kann der Forellenregion (Epi- und Metarhithral) zugeordnet werden (ezb et al. 2007). Diese ist durch eine maximale Wassertemperatur von 10°C, starke Strömung, einen hohen Sauerstoffgehalt sowie Kies und größere Steine gekennzeichnet (LFU 2015).  Als Fischarten werden Forellen, Äschen, Koppen und vereinzelt Aiteln angeführt. Ab Freiland folgt der Übergang zur Äschenregion (Hyporhithral). Vorrangig werden hier Äschen und größere Bestände an Karpfenartigen beschrieben (ezb et al. 2007). Dieser Bereich zeichnet sich durch eine Wassertemperatur bis ca. 15°C, einen hohen Sauerstoffgehalt, eine starke Strömung sowie Gesteinsgrößen von Geröll bis Kies aus (LFU 2015). Der Unterlauf der Traisen zählt zur Barbenregion (Epipotamal). Hier dominieren Cypriniden und Ruhigwasserarten (ezb et al. 2007). Im Bereich des Epipotamals beträgt die Wassertemperatur charakteristischerweise um die 15°C, der Sauerstoffgehalt schwankt, die Strömung ist schwach und das vorrangige Substrat ist Sand und Kies (LFU 2015).

 

 

 

 

Quellen:

Bayrisches Landesamt für Umwelt (LFU). 2015. Bäche und Flüsse in Bayern. (online) http://www.lfu.bayern.de/wasser/baeche_und_fluesse/index.htm (abgerufen am 11.06.2015)

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW). 2012. Hydromorphologische Leitbilder. Fließgewässertypisierung in Österreich. Band 1: Einführung, Definitionen und Parameter.

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) & Umweltbundesamt (UBA). 2014. Daten zum 2. Nationalen Gewässerbwirtschaftungsplan.

ezb, DonauConsult, ALP-infra. 2007. Gewässerentwicklungskonzept Traisen-Gölsen. Arbeitspaket 14-Leitbild. Wien.

Muhar, S., Kainz, M., Kaufmann, M., Schwarz, M. 1996. Ausweisung flusstypisch erhaltener Fließgewässer-Abschnitte in Österreich. BMLF. Wien.

Verbund 2015. LIFE+ Projekt Traisen. (online) http://www.life-traisen.at/de/projekt-life-traisen (abgerufen am 11.06.2015)