unter Mitarbeit von: Kevin Cheng, Belinda Geyik, Nayyab Raja, Dominik Zoka (5N BG/BRG St. Pölten)

Fischwanderung

Warum wandern Fische eigentlich? Fische haben sich im Laufe ihres Entwicklungsprozesses  an die dynamischen Lebensräume in natürlichen Fließgewässern angepasst.  In ursprünglichen Flüssen wandern Fische longitudinal, flussauf und flussabwärts, und auch lateral, seitlich im Gewässersystem. Sie passen sich durch diese Wanderungen an die Lebensraumbedingungen an, je nach Jahreszeit oder für Fortpflanzung und Nahrungsaufnahme stellen sie unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum.
Fischwanderungen können saisonal auftreten (z.B. Laichwanderung, Wanderungen in Winterhabitate), durch Katastrophen ausgelöst werden (z.B. Schutzwanderung bei Hochwasser oder anderen schädlichen Umweltbedingungen) oder täglich stattfinden (z.B. wassertemperaturbedingt). Abhängig von Fischart, Altersstadium und äußeren Umweltbedingungen  können verschiedene Wandertypen unterschieden werden (vgl. AG-FAH, 2011):

    • Laichwanderung: Die meisten heimischen Fische benötigen für die Eiablage bestimmte Standortbedingungen bezüglich Fließgeschwindigkeit, Wassertemperatur und Substratverteilung (Gesteinsgrößen), die sie an ihren üblichen Aufenthaltsorten nicht vorfinden. Daher wandern sie jährlich in ihre Reproduktionsareale um sich dort zu paaren und die Eier abzulegen.
    • Nahrungswanderung: Nahrungsangebot ist ein wesentlicher Faktor für Wanderungen, je nach Altersstadium und Fischart bzw. Ernährungstyp stellen Fische unterschiedliche Anforderungen an ihr Nahrungshabitat.
    • Überwinterungswanderung: Während Kaltwasserarten (z.B. Salmoniden) im Winter aktiv bleiben und in nicht vereiste Bereiche im Fließgewässer ausweichen, verlangsamt sich bei wärmeliebenden Arten, wie den Cypriniden der Stoffwechsel, Nahrungsaufnahme und Schwimmleistung nehmen ab. Diese Arten suchen in der kalten Jahreszeit strömungsberuhigte, tiefe Wintereinstände, wo sie vor Strömung und Eis geschützt sind.
    • Fluchtwanderungen / Ausweichwanderungen: Bei sich verschlechternden Umweltbedingungen wie Austrocknung oder Hochwasser wandern Fische in sichere Bereiche ab.
    • Kompensationswanderungen: Nach einer Fluchtwanderung kehren Fische meist wieder zurück um die natürliche Besiedlung von allen Teilen des Flusses aufrecht zu erhalten.
    • Abdrift: Eier und Jungtiere werden durch erhöhten Abfluss und damit verbundener stärkerer Strömung abgetrieben (vgl. LfU, 2011).

Zusätzlich kann man Fischarten anhand der Länge ihrer Wanderungen unterscheiden:

  • Kurzdistanzwanderer (lokale Wanderungen, <30km im Jahr, viele Fischarten wie bspw. Bachforelle)
  • Mitteldistanzwanderer (Wanderungen zwischen 30 – 300km im Jahr, z.B. Nase, Barbe, Huchen)
  • Langdistanzwanderer (Wanderungen > 300km im Jahr, in Ö alle ausgestorben) (vgl. AG-FAH, 2011)

Historische Fischfauna der Traisen

In historischen Daten zur Fischfauna sind 19 Fischarten in der Traisen nachgewiesen (vgl. Haidvogl & Waidbacher, 1997). Abbildung 1 zeigt die Verteilung der potentiellen Fischregionen der Traisen. In den Oberläufen finden sich typischerweise die Regionen des Epi- und Metarhithrals, die von Bachforellen, mit Koppen als Begleitart, dominiert werden. Ab dem Zusammenfluss von Türnitzer Traisen und Unrechtstraisen kommt die Äsche als Leitart hinzu (Hyporhithral). Von Wilhelmsburg bis zur Mündung finden sich vermehrt Donaufischarten wie Huchen, Barbe, Nase, Aitel, Brachse, Karpfen, welche aus der Donau flussauf wandern. Hier ist die Fischregion dem Epipotamal zuzuordnen. (Mehr Informationen zu Fischregionen findet ihr hier).

Fischregionen im Einzugsgebiet der Traisen

Abbildung 1: Fischregionen im Einzugsgebiet der Traisen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wanderhindernisse

Wanderhindernisse sind Hindernisse im Gewässersystem, die Wanderbewegungen von Fischen und auch anderer Fließgewässerorganismen verhindern. Dies können natürliche Hindernisse, wie Wasserfälle oder Biberdämme sein, in größerer Zahl treten aber künstliche Wanderhindernisse, wie Kraftwerke, Wehranlage oder Sohlabstürze, auf (vgl. Knopf, 2003). Im Traisen Einzugsgebiet wurden im Rahmen der Ist-Bestandsanalyse 2013 (vgl. BMLFUW, 2014) 469 unpassierbare Querbauwerke registriert (siehe auch dieser Beitrag). Künstliche Querbauwerke können folgenden Kategorien zugeordnet werden:

  • Querbauwerke Schutzwasserbau: Dies sind Bauwerke deren Aufgabe Geschieberückhalt (Geschiebesperren) oder Sohlstabilisierung (Sohlschwellen, Sohlrampen, siehe Abbildung 2) ist.
  • Querbauwerke Wasserkraft: Hierzu zählen Wehranlagen, die Wasser für den Betrieb einer Wasserkraftanlage aufstauen (z.B. Staumauern bei Laufkraftwerken) oder Querbauwerke deren Zweck Wasserfassung für Ausleitungskraftwerke oder Mühlbäche ist (siehe Abbildung 3).
  • Querbauwerke mit sonstigem Zweck: In diese Kategorie fallen beispielsweise Verrohrungen des Bachbettes oder Bauwerke zur Wasserentnahme für Bewässerung.
  • Absturzkette: Unter einer Absturzkette versteht man eine Abfolge von mehreren Querbauwerken zum Zweck der Sohlstabilisierung (vgl. Mühlmann, 2015).

 

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Abbildung 2: Sohlstufe an der Traisen

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Abbildung 3: Wehranlage zur Wasserausleitung an der Traisen

 

 

 

 

 

 

 

 

Fischaufstiegshilfen

Ziel einer Fischaufstiegshilfe (FAH) ist es unpassierbare Wanderhindernisse, die nicht entfernt oder umgebaut werden können, für Fische passierbar zu machen (vgl. Knopf, 2003). Folgende FAHs können unterschieden werden:

  • Gewässertypische Umgehungsrinne: Das Umgehungsgerinne ist als naturnaher Bach gestaltet. Parameter wie Gefälle, Gewässerbreite, Substrat, etc. sind dem Gewässertyp des Hauptflusses nachempfunden. Gleichzeitig mit der Durchgängigkeit wird auch ein Lebensraum geschaffen. Weitere Vorteile sind relativ geringe Baukosten, dem gegenüber steht der relativ große Platzbedarf dieser Maßnahme.
  • Naturnaher Beckenpass: Diese FAH besteht aus einer Abfolge von kleinen Schwellen und Becken, die eine natürlcihe Situation, wie beispielweise Schwellen – Kolk Abfolgen, nachstellen. Diese Maßnahme erfordert Erfahrung beim Bau von Schwellen-Becken Übergängen. Im Gegensatz zur unten beschriebenen aufgelösten Sohlrampe befindet sich ein Beckenpass nicht im Hauptfluss sondern führt in Form eines Seitenarms um das Wanderhindernis herum.
  • Schlitzpass: Ein Schlitzpass ist ein längliches Betonbecken mit Zwischenwänden mit senkrechten Schlitzöffnung. Bei richtiger Anordnung ergibt sich so eine geschwungene Hauptströmung durch die Becken. Der Boden ist mit Grobkies bedeckt, um eine Abnahme der sohlnahen Strömungsgeschwindigkeit zu erreichen. Vorteil dieser Maßnahme ist der geringe Platzbedarf, Nachteile sind relativ hohe Bau- und Instandhaltungskosten.
  • Fischpassierbare Rampe: Eine fischpassierbare Sohlrampe setzt sich aus mehreren Schwellen und dazwischen liegenden Becken zusammen. Die Rampe kann sich über die gesamte Gewässerbreite erstrecken oder nur einen Teil des Ablusses und Geschiebes transportieren (siehe Abbildung 4). Vorteil dieser Maßnahme ist die Herstellung der vollen Durchgängigkeit im Hauptfluss, zu den Nachteilen zählen hohe Baukosten und Probleme bei geringer Wasserführung (vgl. AG-FAH, 2011).
aufgelöste_Teilsohlrampe

Abbildung 4: aufgelöste Teilsohlrampe an der Traisen in St. Pölten

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben der Anlage einer Fischaufstiegshilfe können auch andere Maßnahmen die Durchgängigkeit eines Fließgewässers wiederherstellen. Werden beispielsweise Mühlbäche nicht mehr genutzt so können die Wehre aufgelöst und gegebenenfalls durch Sohlrampen ersetzt werden. Eine andere Möglichkeit ist die niveaugleiche Anbindung von Seitenzubringern an eingetiefte Hauptgewässer. Bei verrohrten Gewässerabschnitten kann die Verrohrung entfernt werden, um die Passierbarkeit zu gewährleisten. Welche Maßnahme am besten passt, kann nur im Einzelfall geklärt werden, in manchen Fällen ist auch eine kombinierte Lösung mehrerer Maßnahmen notwendig (vgl. Knopf, 2003).

Quellenangaben:

AG-FAH (2011): Grundlagen für einen österreichischen Leitfaden zum Bau von Fischaufstiegshilfen (FAHs). Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien, 87 S.
BMLFUW (2014): Österreichischer Bericht der Ist-Bestandsanalyse 2013. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien,168 S.
BMLFUW (2012): Leitfaden zum Bau von Fischaufstiegshilfen. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien, 102 S.
Haidlvogl, G., Waidbacher, H. (1997): Ehemalige Fischfauna an ausgewählten österreichischen Fließgewässern. Wien
Knopf, N. (2003): Fließgewässer-Kontinuum, Migrationshindernisse. Hrsg. NÖ Landschaftsfonds, Arbeitskreis Gewässer, St.Pölten, 6 S.
LfU (Bayerisches Landesamt für Umwelt) (2011): Priorisierungskonzept Fischbiologische Durchgängigkeit in Bayern. Augsburg, 64 S.
Mühlmann, H. (2015): Leitfaden zur hydromorphologischen Zustandserhebung in Fließgewässern. Hrsg. Bundeseministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien, 88 S.