unter Mitarbeit von: Sebastian Aschauer, Lukas Eder, Alexander Hauer, Matthias Stoiber (5N BG/BRG St. Pölten)

Auen – eine Einführung:

Eine Au ist ein Naturgebiet (meist ein Wald) an Flüssen oder Bächen, das durch regelmäßige Überschwemmungen und hohe Grundwasserstände beeinflusst ist. Abhängig von der Entfernung zum Fließgewässer und damit von der Überflutungsdauer und –höhe ergibt sich an Mittel- und Unterläufen von Flüssen unter naturnahen Bedingungen eine für die Auenvegetation charakteristische Zonierung (Bild: http://www.wissenschaft-online.de/lexika/images/geogr/auen_vege.jpg):

  1. Gehölzfreie Aue: dieser Bereich wird am häufigsten überflutet, weshalb hier nur einjährige Pflanzenarten, niedrigwüchsige Süßgräser und in den höheren Bereichen verschiedene Röhricht-Arten (z.B. Schilf oder Rohrglanzgras) aufkommen können.
  2. Weichholzaue: Die Weichholzaue schließt an die gehölzfreie Zone an und ist durch das Vorkommen von Weichhölzern charakterisiert (v.a. Weiden, Pappeln, Erlen). In unmittelbarer Flussnähe herrscht Weidengebüsch vor, mit zunehmender Entfernung bildet sich Weichholz-Auwald aus. Dieser Typ zeichnet sich durch hohe Dynamik und häufige Überflutungen aus. Dementsprechend sind die Gehölze hier sehr gut an mechanische Belastungen, wie stärkere Strömung oder Eisgang angepasst.
  3. Hartholzaue: Sie wird von Harthölzern (z.B. Eschen, Siteleichen, Ulmen) gebildet. Diese Auenbereiche werden zwar noch regelmäßig, aber vergleichsweise selten und kürzer überflutet.
  4. Heißländen: Diese extrem trockenen Lebensräume sind auf ehemaligen Sand- und Schotterbänken entstanden und zeichnen sich besonders durch Wasserdurchlässigkeit aus. Dadurch können hier nur trockenheitsertragende Pflanzenarten wachsen (z.B. Sanddorn, Weißdorn, verschiedene Orchideen-Arten)
  5. Randmulden: Diese Bereiche sind weiter vom Hauptfluss entfernt und weniger von Überschwemmungen als von hohen Grundwasserständen beeinflusst. In den so entstandenen Niedermooren können sich typische Erlen-Bruchwälder ausbilden.
  6. Augewässer: Neben dem ganzjährig durchströmten Hauptfluss und seinen Nebenarmen, gibt es auch noch temporäre Gewässer, sowie verschiedene Typen von Altarmen:
Augewässertypen. Quelle: Jungwirth et al. 2003, verändert

Augewässertypen. Quelle: Jungwirth et al. 2003, verändert

 

 

 

 

 

 

 

 

Auen zeichnen sich also durch eine besondere Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen aus. Die wichtigste Rolle bei der Ausbildung dieser Lebensräume spielt der Einfluss des Wassers. Die Augewässer bieten Lebensraum für eine Vielzahl an Pflanzen- und Tierarten, durch die umgebende Vegetation wird organisches Material (Pflanzenreste) in die Gewässer eigetragen, das von Kleinstlebewesen als Nahrungsquelle genutzt wird, Je nach Fließgewässertyp können sich im Hauptfluss auch Schotterbänke ausbilden, die z.B. bestimmen Vogelarten als wichtige Brutplätze dienen (z.B. Flussregenpfeifer). Altarme und temporäre Gewässer werden nicht nur von Fischen, sondern auch u.a. von verschiedenen Amphibien- und Reptilienarten genutzt (z.B. Laubfrosch, Moorfrosch, Ringelnatter..), Auch der Auwald selbst bietet mit all seinen Strukturen und unterschiedlichen Lichtverhältnissen wichtige Habitate für viele Tier- und Pflanzenarten.

Wodurch wir eine Au geprägt? Welche Prozesse finden statt?

Das prägende Element der Au ist das Wasser. Je nach Dynamik des Wasserhaushalts und Morphologie (Oberflächengestalt) der Aue bilden sich unterschiedliche Bodenarten aus. Dabei gibt es drei Leitprozesse die die Sukzession (zeitliche Abfolge bestimmter Pflanzenartenkombinationen) der Auen beeinflussen:

  • Auflandung:
    Dieser Prozess findet vorwiegend über Schotter im Gewässerbett und in der Uferzone von Oberläufen von Fließgewässern statt. Der Boden besteht aus Kies und Grobsand, ist nährstoffarm und zeitweise extrem trocken. Die Dynamik ist besonders hoch – es findet vielfach Sedimentation (Ablagerung), Erosion (Abtrag) und Umlagerung statt. Es entstehen Schotterbänke und –inseln, sowie Prallufer. Das Pflanzenwachstum wird besonders durch Zerstörung (häufige kurze Überflutungen) und Austrocknung beeinflusst.
  • Anlandung:
    Anlandung von Sand in der Ufer- und ebenen Auenzone spielt vor allem an Mittelläufen eine wichtige Rolle. Hier ist die Fließgeschwindigkeit geringer, weshalb sich auch feineres Material ablagern kann. Dieser Prozess findet seltener als Auflandung statt: an Gleitufern etwa jährlich, in der Auenzone in langjährigen Intervallen mit sehr starken Störungen durch große Hochwässer. Die Böden trocknen nicht mehr aus, sondern zeichnen sich durch einen relativ ausgeglichenen Wasserhaushalt aus.
  • Verlandung:
    Verlandung findet durch allmähliche Sedimentation in Alt- und Totarmen und Flutmulden der großen Aubereiche an Mittel- und Unterläufen von Flüssen statt. Die Böden sind nass und werden durch Feinsedimente (Ton, Schluff) gebildet. Pflanzenarten in diesen Bereichen müssen mit Sauerstoffmangel in den vernässten Böden umgehen können.

Die Au der Traisenmündung:

Der rund 7 km lange Unterlauf der Traisen wurde im Zuge der Errichtung des Donaukraftwerks Altenwörth künstlich angelegt, indem die Mündung der Traisen in das Unterwasser des Kraftwerks verlegt wurde. Damit verläuft dieser Abschnitt direkt durch die ehemaligen Donauauen. Vor Beginn des Projekts „Life+ Traisen“ (s.u.) war die Traisen in diesem Abschnitt, geradlinig, strukturarm, durch Querbauwerke unterbrochen, und kaum mit den Augewässern vernetzt.
Trotz der weitgehenden Abtrennung der Au von Donau und Traisen, existieren noch naturschutzfachlich wertvolle Bereiche. Darunter artenreiche Heißländen, sowie stehende Altholzbestände, die beispielsweise für horstbauende Vogelarten wichtige Strukturen darstellen. Auch die Röhricht-Bestände im Verlandungsbereich von Nebengewässern bilden wichtige Lebensräume für schilfbewohnende Vogelarten. Die Nebengewässer selbst (Altarmreste, Weiher und Tümpel) bieten seltenen Makrophyten (größere Wasserpflanzen), wie der Krebsschere, dem Wasserschlauch oder dem Nixenkraut wichtige Lebensräume. Auch heute seltene Arten des Makrozoobenthos (wirbellose Tiere, die im Gewässer-Substrat leben) sind hier noch vorzufinden. Insgesamt neun Amphibien-Arten kommen in den Donau-Traisenauen vor, wobei ein Tümpel im Auenbereich zwischen Donau und Traisen ein besonders wertvolles Laichgewässer darstellt. Hier laichen u.a. Teichmolch, Rotbauchunke und Knoblauchkröte. Die Fischfauna ist zwar insgesamt artenreich (27 nachgewiesene Arten), jedoch sind die Populationen aufgrund der Strukturarmut – und damit der mangelnden Lebensraumvielfalt – kaum intakt. So kommen typische Fischarten wie Äsche oder Barbe nur noch vereinzelt vor. Das Fehlen wichtiger Strukturen, hat auch Einfluss auf den Brutvogelbestand: Insgesamt konnten nur sieben Brutvogelarten nachgewiesen werden. In der Traisen selbst gibt es keine großflächigen Schotterbänke, die Flussuferläufer oder Flussregenpfeifer als Brutplätze benötigen würden. Auch Uferanbrüche für Eisvogel oder Uferschwalbe fehlen hier. Eisvögel und der gefährdete Gänsesäger finden jedoch noch in den Traisen-Donauauen Lebensräume und geeignete Brutplätze. Die Gehölzvegetation zeichnet sich vor allem durch Pappeln (Silber-, Grau-, und forstlich eingebrachte Hybridpappeln), sowie Eschenbestände aus. Weitere häufige Arten sind Traubenkirschen, Holunder, Roter Hartriegel, sowie Silberweiden an den Uferbereichen.

Quellenangaben:

Auen – eine Einführung:
•    http://naturschutzbund.at/auen/auen/informationen/articles/bedeutung-und-wert.html (am 6.3.2015)
•    http://www.donauauen.at/natur-wissenschaft/lebensraeume (am 24.01.1015)
•    http://www.wissenschaft-online.de/lexika/images/geogr/auen_vege.jpg (am 14.06.2015)
•    Brunotte, E., Gebhardt, H., Meurer, M., Meusburger, P., Nipper, J. (Hrsg.) (2001): Lexikon der Geographie. Spektrum Akademischer Verlag. Heidelberg
•    Colditz, G. (1994): Auen, Moore, Feuchtwiesen: Gefährdung und Schutz von Feuchtgebieten. Birkäuser. Basel.
•    Egger, G., Michor, K., Muhar, S., Bednar, B. (Hrsg.) (2009): Flüsse in Österreich. Lebensadern für Mensch, Natur und Wirtschaft. Studienverlag. Innsbruck-Wien-Bozen.
•    Jungwirth, M., Haidvogl, G., Moog, O., Muhar, S., Schmutz, S. (2003): Angewandte Fischökologie an Fließgewässern. UTB. Wien.

Die Au im Mündungsbereich der Traisen:
•    Jungwirth, M., Haidvogl, G., Hohensinner, S., Küblbäck, G., Schmalfuß, R., Eberstaller, J., Pinka, P. (2005): Machbarkeitsstudie „Rückbau Traisenunterlauf und Traisenmündung“ Endbericht. Wien. (unveröff.)