unter Mitarbeit von: Bernhard Freibauer, Lilli Hammermüller, Viktoria Hinteregger, Sarah Vorlaufer

Bis zum Jahr 2019 wird am Unterlauf der Traisen das bislang größte Renaturierungsprojekt Österreichs durchgeführt: das Projekt „Life+ Traisen“.

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Was ist ein LIFE-Projekt, wie wird es finanziert?

Das LIFE-Programm (LIFE=L’Instrument Financier pour l’Environnement) ist das Instrument zur Umweltfinanzierung der Europäischen Union. Je nach Projekttyp beträgt der Förderzuschuss der EU zwischen 50 und 75%. Die Restfinanzierung muss durch nationale Mittel erfolgen. Seit dem Jahr 1992 wurden in Österreich 98 Projekte mit rund 272 Mio. Euro (davon 112 Mio. Euro durch die EU) finanziert. LIFE basiert auf jährlichen Wettbewerben, wobei für die Bewertung der eingereichten Projekte u.a. folgende Kriterien relevant sind: die inhaltliche Qualität, die Nachvollziehbarkeit der Kosten und die Übereinstimmung mit den Zielen des LIFE-Programms. LIFE wird direkt von der Europäischen Kommission verwaltet.

Das Projekt „Life+ Traisen“ wurde im Jahr 2008 im Rahmen der Förderperiode 2007-2013 für den Teilbereich „Natur und Biologische Vielfalt“ bewilligt (weitere Schwerpunkte lagen in dieser Programmperiode auf den Bereichen „Umweltpolitik und Verwaltungspraxis“ und „Information und Kommunikation“). Wichtigstes Ziel dieses Teilbereichs ist die Wiederherstellung bzw. Erhaltung natürlicher Lebensräume und gefährdeter Arten. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie und der EU-Fauna-Flora-Habitatrichtlinie, sowie auf dem Aufbau des europaweiten Schutzgebietsnetzwerks „Natura 2000“, das auf diesen beiden Richtlinien basiert. Durch das Förderprogramm Life+ werden also Projekte finanziell unterstützt, die einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der europaweiten Vielfalt an wildlebenden Tier- und Pflanzenarten und an natürlichen Lebensräumen leisten. Auch „Life+ Traisen“ zielt darauf ab, den Zustand eines Natura 2000 Gebietes (die „Tullnerfelder Donauauen“) wesentlich zu verbessern.
Das LIFE Projekt an der Traisen wird überwiegend aus Mitteln der EU und vom VERBUND finanziert. Weitere finanzielle Unterstützung kommt von Partnern aus Bund und Land Niederösterreich (NÖ Bundeswasserbauverwaltung, via donau, NÖ Landesfischereiverband, NÖ Landschaftsfonds, Lebensministerium, Energie AG, KELAG, VKW).
Was sind die Hintergründe und Ziele des LIFE+- Projekts Traisen?

  • Hintergrund:

Bereits seit dem Jahr 2005 beschäftigten sich ForscherInnen mit der Idee, der Traisen einen neuen Flusslauf zu geben. Hintergrund für diese Überlegungen war eine Vielzahl ökologischer Probleme, die sich durch die Verlegung der Traisenmündung in den Bereich unterhalb des Kraftwerks Altenwörth, sowie begleitender flussbaulicher Maßnahmen ergab. Durch die Verlegung der Mündung wurde die Traisen um 7,5 km verlängert. Der stark regulierte Fluss grub sich sehr tief in den Boden, was zu starken Beeinträchtigungen der Natur führte. Heute ist die Traisen in diesem Bereich arm an Strukturen, und damit arm an Lebensräumen für typische Tier- und Pflanzenarten. Seit dem Bau des Kraftwerks Altenwörth in den 1970er Jahren ging die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen zwischen Traismauer und Zwentendorf wegen der Regulierung stark zurück und auch die Fischpassierbarkeit wurde behindert bzw. komplett unterbunden. Da die umgebende Au nur noch an wenigen Stellen mit dem Fließgewässer vernetzt ist, sind auch typische Auenlebensräume verloren gegangen.

Vor diesem Hintergrund hat das Life+-Projekt folgende Ziele:

  • Schaffung eines rund 10 km langen dynamischen mäandrierenden Flusslaufes, in dessen Einflussbereich sich vielfältige Lebensraumstrukturen ausbilden können.
  • größtmöglicher Schutz für wertvolle Naturbereiche in der Au.
  • Neuanlage von Stillgewässern um die Au vielfältiger zu gestalten.
  • Verbesserung der Fischpassierbarkeit (sowohl im Fluss selbst, als auch im Fluss-Auensystem).
  • Verbesserung der Standortbedingungen für Gesellschaften der Weichholzau, insbesondere der Silberweidenau (durch Steigerung der Überflutungshäufigkeit entlang des neuen Flusslaufes)
  • keine negativen Veränderungen der Hochwassersituation für BewohnerInnen

Quellen:

Stubenrauch, M. (2014): Das Life-Programm. EU-Förderung für Umweltprojekte. Forum Public Management. 2014/1. S. 23-25

Europäische Kommission, GD Umwelt (2014): LIFE programme – Country Factsheet Österreich. Online unter http://ec.europa.eu/environment/life/countries/documents/austria_de_dec14.pdf (20.02.2015)

BMLFUW (2012): 20 Jahre Förderprogramm LIFE Eine Erfolgsgeschichte für den Natur- und Gewässerschutz in Österreich.

Verbund (2015): LIFE+ Projekt Traisen. Online unter: http://www.life-traisen.at/de/projekt-life-traisen (15.06.2015)